Was als „dumme Idee“ für eine Ersatzveranstaltung begann, hat inzwischen echte Tradition: Zum 20. Mal zog es die Sommerrodler Anfang September an die Ostsee nach Barth. Seit dem ersten Ostseepokal im Jahr 2002 hat sich das ungewöhnliche Straßenrennen zu einem festen Termin entwickelt – auch wenn das Jubiläum in diesem Jahr wetterbedingt eher mit Regenjacke als mit Badehose begann.
Die ersten Teilnehmer reisten am Donnerstagabend an und wurden am Freitag zunächst von Dauerregen begrüßt. An Training war nicht zu denken, also wurde kurzerhand das Alternativprogramm gestartet: Für die Schierker Sportler und Betreuer ging es nach Stralsund ins Ozeaneum – Kultur und bunte Fische statt Rodeltraining. Das obligatorische erste Fischbrötchen gab es anschließend stilecht im Regen. Erst am Abend hatte das Wetter ein Einsehen. Die Straße trocknete ab und es konnten doch noch einige Trainingsfahrten absolviert werden.
Rodeln zwischen Kenz und Redebas
Am Samstagvormittag blieb es schließlich trocken, dafür machte kräftiger Wind den Teilnehmern zu schaffen. Traditionell wird beim Ostseepokal auf der Straße zwischen Kenz und Redebas gefahren. Die Strecke führt einen geraden Abhang hinunter und endet nach einer Linkskurve im Ziel. Für zusätzliche Schwierigkeit sorgen die aufgestellten „Reifentore“, die auf dem Weg passiert werden müssen – ganz so einfach, wie eine gerade Straße zunächst aussieht, ist der Ostseepokal also nicht.
Nach zwei Trainingsläufen standen drei Wertungsläufe auf dem Programm. Zum 20-jährigen Jubiläum war das Starterfeld mit 13 Sportlern aus vier Vereinen zwar überschaubar. In vielen Altersklassen bedeutete das einen sicheren Platz ganz oben auf dem Podest.
Eine Altersklasse war allerdings bestens besetzt: Bei den Senioren C zeigte sich, dass die Ostsee offenbar auch Rodler zurück auf den Schlitten lockt, die sonst nur noch selten an Wettkämpfen teilnehmen. Fünf Sportler gingen hier an den Start. Um möglichst gleiche Bedingungen zu schaffen, wurden zwischen den Läufen die Schlitten getauscht. Nach zwei Trainings- und drei Wertungsläufen stand das Ergebnis fest: Sven Zieprich vom Schierker RBV sicherte sich den Jubiläumssieg vor André Hederer, Jugendwart des ESV Lok Zwickau. Rang drei ging an Jan Bielenski vom Schierker RBV. Dahinter folgten Danny Reinhold vom ESV Lok Zwickau und Fabian Flachsbart vom RRC Waltershausen.
Auch bei den Senioren B gab es echte Konkurrenz. Steffen Hartig vom SSV Fortschritt Lichtenstein hatte Verstärkung aus den eigenen Reihen mitgebracht, setzte sich aber souverän gegen Thomas Weilbuchner durch. In den übrigen Altersklassen konnten sich die jeweiligen Starter über den Sieg freuen. Doch beim Ostseepokal geht es ohnehin seit jeher um mehr als Medaillen und Platzierungen. (Ergebnisse)
Eine „dumme Idee“, die seit 2003 lebt
Dass an der Ostsee überhaupt gerodelt wird, geht auf das Jahr 2003 zurück. Damals konnte der Sommerrodel-Wettkampf, der traditionell im Rahmen des Bobanschubs in Ilsenburg ausgetragen wurde, nicht wie gewohnt im Harz stattfinden: In Ilsenburg stand die Bob-Anschub-Weltmeisterschaft auf dem Programm. Für den Rodelwettkampf musste also eine Alternative her – und daraus entstand eine zunächst ziemlich verrückt klingende Idee: Warum nicht einfach an der Ostsee rodeln.
Aus der spontanen Ersatzveranstaltung wurde der Ostseepokal und aus der „dummen Idee“ eine Tradition, die in diesem Jahr bereits ihre 20. Auflage feierte.
Durch die Corona-Jahre und den Neubau der Schierker Rodelbahn musste der Ostseepokal zwischenzeitlich einige Jahre pausieren. Seit zwei Jahren rollen die Schlitten nun aber wieder über die Straße zwischen Kenz und Redebas.
Rodeln an der Ostsee ist nie nur ein Sportevent. Es ist ein Erlebnis : ein Wochenende mit Freunden, Grillen, Strand und normalerweise auch einem Badeausflug und reichlich Sonne. Letztere machte sich beim Jubiläum zwar etwas rar, der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch.
Und so bleibt nach dem 20. Ostseepokal vor allem eines festzuhalten: Eine „dumme Idee“ kann erstaunlich lange halten.

